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Gottfried Keller
written by "Huch, Ricarda Octavia, 1864-1947"
...stalt der des Bildhauers. Hauptschlich das Gerst der Tatsachen entnimmt Keller der Wirklichkeit und umwindet es schmckend mit ppiger Phantasie; aber es ist nach einem Ausdruck von Goethe exakte Phantasie, die im Sinne der Wirklichkeit phantasiert, so da wir, auch wo er am ausgelassensten fabuliert, Fleisch und Blut riechen und die siegesgewissen Elemente der Wirklichkeit[Pg 54] spren. Die Hexe, die den Schornstein heraufsteigt, ohne die blanken Schultern schwarz zu machen, whrend Katze und Eule, still und klug, hinunterlauschen und warten, und der tanzende Knig David mit dem kleinen singenden Engel, der das Notenblatt zwischen den rosigen Zehen hlt, sind nicht minder wirklich als der unselige junge Mrder, der das wehrlose Knblein erschlgt, um es einer Mundharmonika zu berauben. Das Sichhinwegsetzen ber die Gesetze der Wirklichkeit und das stille, zusammenhangsvolle Verfahren der Natur, um aus willkrlicher Einbildungskraft heraus zu erfinden, nennt Keller Arbeitsscheu, mit literarhistorischen Namen Spiritualismus und Romantik, letzteres mit Recht in bezug auf die Praxis der Romantiker, die die Hhe ihrer Theorien nie erreichten. Bei Kellers Werken ist uns zumute, als habe die Natur selbst sie gemacht, so selbstverstndlich erscheint uns alles; es fllt uns so wenig ein sie zu kritisieren, wie uns das einem Baum oder einer Blume gegenber in den Sinn kme: es knnte hchstens sein, da man eines dem andern vorzge oder etwa berhaupt keinen Sinn dafr htte. So sollen wir auch nicht fragen, ob er jeden Gipfel erreicht und jeden Abgrund ausgemessen hat: den weiten Umkreis, den sein Auge erfate, hat er uns rein in schnem Bilde gegeben, etwas Vollkommenes, worin niemand ungetrstet und unbelehrt sich versenkt. Ich habe wenig von den Werken des Dichters gesprochen, um wieder zu ihm selbst zurckzukehren, ihrem Schpfer; denn an diesem bleibt doch zuletzt das durch seine Werke erregte Gefhl haften, das sich nicht beruhigt, al...

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