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Ehstnische Märchen. Zweite Hälfte
written by "Kreutzwald, Friedrich Reinhold, 1803-1882"
...ondern müssen uns sofort auf den Weg machen, ehe die Bären mit ihrem Bienenstocke fertig werden.« Dann nahm er die Königstochter bei der Hand und[S 75] führte sie vor die Thür. Die mit dem Bienenstock beschäftigten Bären achteten der Kommenden nicht. Auf den Zehen leise tretend, kamen sie hinter den Bären zur Pforte hinaus. Der Mann verschloß die Pforte von außen, damit die Bären nicht heraus könnten und machte sich dann eilends davon. Der Rathgeber summte ihm in's Ohr: »Rufe das Koberchen zurück!« Da rief der Mann: »Koberchen, Koberchen! komm heim!« Flugs hing das Koberchen an seinem Halse. Als sie an den Höhleneingang kamen, sagte der Jüngling zur Königstochter: »Fürchtet weder das Dunkel, noch weiterhin die Enge des Weges, wir gelangen nach kurzer Zeit wieder an's Tageslicht. Wenn wir in's Wasser kommen, so machet die Augen fest zu, bis ich euch an's Ufer getragen habe.« Als er vorwärts schritt, fand er den Hohlweg nach dem Flusse zu viel breiter als vorhin, so daß beide bequem durch konnten. Im Flusse umfaßte er die Königstochter mit beiden Armen und trug sie an den trockenen Strand. Die meisten Zuschauer waren schon nach Hause gegangen, weil sie die Hoffnung auf die Rückkehr des Suchenden aufgegeben hatten. Der König und die ihm näher stehenden Großen waren aber noch am Ufer geblieben und besprachen das unglückliche Ereigniß, als plötzlich zwei Köpfe auf der Oberfläche des Wassers sichtbar wurden. Wer vermöchte die Freude des Königs und der Leute zu beschreiben, als statt des erwarteten todten Körpers die Jungfrau frisch und gesund an's Ufer kam. Der König fiel bald seiner Tochter, bald ihrem Retter um den Hals, und vergoß Freudenthränen und mit ihm weinte der umstehende Haufe. Als aber die Freudenbotschaft m...

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