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Der Wehrwolf
Eine Bauernchronik

written by "Löns, Hermann, 1866-1914"
...sie um das Bruch herum noch nicht belebt hatte. Alle Wehrwölfe gingen mit, die noch am Leben waren, und außerdem jeder, der eben Zeit hatte, so daß der Wulfshof schwarz von Menschen war. Es war ein dusterer Spätherbsttag, als Harm Wulf auf immer schlafen ging, und während der Leichenandacht auf der Deele nieselte es. Als aber der Prediger nach der Beerdigung von der Kanzel den Nachruf für den Toten hielt, worin er ihn mit Simson verglich und mit Judas, dem Makkabäer, die ihre Völker vor den Feinden bewahrten, rot bis an den Hals vor Blut gewesen waren und doch Gott wohlgef[239]ällig, da kam die Sonne durch und alle Gesichter sahen hell aus, und auch die Wehrwölfe bekamen blanke Augen und dachten an die schrecklichen und doch so schönen Tage, da sie einen Tag um den anderen den Bleiknüppel über der Hand hängen hatten. In der besten Stube des Wulfshofes zu Ödringen hängt heute noch der Bleiknüppel an der Sofawand unter dem kleinen Bilde mit dem alten Goldrahmen. Ein Museum hat sich viel Mühe um den Knüppel gegeben, aber der Vorsteher und Landtagsabgeordnete Herman Wulff gab ihn nicht um Geld, noch um gute Worte her. »Wenn der nicht gewesen wäre, so wären wir auch nicht da,« sagte er. Wenn fremde Leute fragen, was das für ein Ding ist, dann zuckt er die Achseln und sagt: »Das ist noch von früher!« Seinen Söhnen aber hat er erzählt, was er und sie dem alten Knüppel mit der Lederschlinge zu verdanken haben, und warum auf dem ältesten Grabsteine der Wulffs nichts weiter zu sehen ist denn eine aufrechte Wolfsangel. Ein jedesmal, wenn einer der Jungens zum ersten Male das Abendmahl nahm, ließ er ihn in dem alten Kirchenbuche das lesen, was der weiland Prediger Puttfarken über Harm Wulf geschrieben hatte, als er gestorben war; und so heißt die Stelle: »Ehr war ein...

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